So gelingt ein eigenes Turnier

Wer von Fußball spricht, redet immer auch von Turnieren, Meisterschaften, Pokalen, Ligen. Wenn eine Mannschaft in der Bundesliga bereits am 27. Spieltag Meister wird, dann macht sich Langeweile breit. Stop: Dann richtet sich das Augenmerk auf den Abstiegskampf, die Vergabe der Champions-League-Plätze und die Startberechtigung für die Europa-Liga. Zum Saisonabschluss folgt noch das DFB-Pokalfinale. Wenn ein Spieler in einem Freundschaftsspiel ein sehenswertes Tor erzielt, wen interessiert das denn? Gelingt dieses aber in einem entscheidenden Spiel, dann spricht die ganze Welt darüber.  In einem Buch las ich mal den Satz: >Er saß vor dem Fernseher und schaute sich eines der 150 wichtigsten Fußballspiele des Jahres an.< Diese Aussage trifft den Nagel auf den Kopf. Die Funktionäre des Fußballs haben es geschafft, durch ihre Turniere und Meisterschaften nahezu jedes Spiel wichtig und darum interessant zu machen. Und genau auf die gleiche Weise können Sie das Spiel Brettfußball um ein Vielfaches interessanter machen.
Veranstalten Sie ihr eigenes Turnier!

In Kempten, der Hochburg des Brettfußballs gibt es Turniere bereits seit 1975. In dieser langen Zeit haben wir viel Erfahrung bei der Durchführung von Turnieren gesammelt, aus Fehlern gelernt. Diese Erfahrungen möchte ich hiermit an Sie weitergeben. Vielleicht haben Sie eigene Ideen, wie ein Turnier durchgeführt werden kann, aber ich hoffe, die folgenden Vorschläge bewahren Sie davor, die gleichen Fehler zu machen, die bei uns geschehen sind.

  • Ein Turnier kann mit nahezu jeder Teilnehmerzahl veranstaltet werden. Bei wenigen Teilnehmern (drei bis sechs) kann jeder gegen jeden spielen, dabei werden Punkte vergeben (Sieger drei Punkte, bei Unentschieden ein Punkt für jeden, bei Punktegleichheit entscheidet das Torverhältnis). Bei mehr Teilnehmern ist es ratsam, Gruppen zu bilden. In jeder Gruppe spielt jeder gegen jeden, die ersten beiden oder die ersten drei jeder Gruppe ziehen in die nächste Runde ein. Dort spielen sie gegen die Sieger der anderen Gruppen, bis ein Sieger feststeht. Haben sich sehr viele Leute für das Turnier angemeldet, kann auch im Ko-System gespielt werden. Der Sieger eines  Spieles zieht dann in die nächste Runde ein, der Verlierer scheidet sofort aus. Bei diesem System darf es kein Unentschieden geben, wir spielen darum eine bestimmte Spieldauer, steht dann kein Sieger fest, gibt es Verlängerung und danach auch das für die Zuschauer interessante, von den Spielern, besonders vom Verlierer aber ungeliebte Elfmeterschießen. Für den Modus, der gewählt wird, gibt es in der Welt des Fußballs viele Vorbilder: Bundesliga, DFB-Pokal, Weltmeisterschaft, Europameisterschaft, Champions-League usw.
  • Anzahl der Spiele: Das Turnier sollte auf jeden Fall so gestaltet werden, dass bis zuletzt jeder, der noch mitspielt, auch eine Chance auf den Turniersieg hat. Wir wollten mal eine Liga spielen mit 12 Leuten. Turnierteilnehmer, die bereits die ersten fünf Spiele verloren haben, hatten keine Chance mehr auf die Meisterschaft und waren darum nicht mehr zu motivieren, die restlichen Spiele noch zu bestreiten, darum wurde dieses Turnier nicht zu Ende gespielt.  Wenn aber jeder, der noch nicht ausgeschieden ist, noch gewinnen kann, dann ist es  möglich, die Leute an der Stange zu halten, auch wenn es viele Partien sind bis zum Endspiel. In Kempten dauert eine Meistarschaft immer ein ganzes Jahr, wer nicht ausscheidet, hat je nach Zahl der Anmeldungen, elf oder zwölf Spiele.
  • Spieltermine: Viele Leute an einem Tag zu einem Termin zu bringen, ist in der heutigen Zeit ein fast unmögliches Unterfangen. ("Ich würde schon gerne am Turnier mitspielen, aber ausgerechnet an dem Tag kann ich nicht kommen, weil ...") Darum gibt es in Kempten folgende Regelung. Jeder Teilnehmer hat in der Vorrunde vier Spiele. Dafür hat er vier Monate Zeit.  Er bekommt die Kontaktdaten seiner Gegner und muss seine Termine selbständig ausmachen. Die Saison beginnt im Januar, die vier Spiele müssen also bis Ende April gespielt sein. In der nächsten Runde  gibt es dann drei Monate Zeit für drei Spiele usw. Im Durchschnitt ist es also nie mehr als ein Spiel pro Monat, diese Zeit kann jeder aufbringen und weil die Termine immer nur für jeweils zwei Leute gelten, kann auch der Schichtarbeiter oder der Außendienstler, der manchmal wochenlang unterwegs ist, am Turnier teilnehmen.
  • Transparenz: Damit immer alle Turnierteilnehmer, die sich ja vielleicht gar nicht kennen oder nur selten treffen, über den aktuellen Stand des Turnieres informiert sind, ist es von großer Wichtigkeit, eine Informationsplattform einzurichten. Bei uns läuft das über diese Internetseite. Dort werden die aktuellen Ergebnisse immer gleich nach jedem Spiel eingetragen, so weiß jeder Teilnehmer jederzeit, wie es gerade steht.
  • Turnierleitung: Obwohl die Menschen, die am Turnier teilnehmen, dies gerne tun, brauchen sie eine Turnierleitung. Die Turnierleitung ist zuständig für die Organisation, die Auslosung, die zeitnahe Pflege der Internetseite!!! Die Turnierleitung sollte auch rechtzeitig Mahnungen aussprechen, wenn ein Spieler  seine Spieltermine nicht vereinbart, damit es zum Ende einer Runde nicht zu Zeitproblemen kommt. Turnierleitung zu sein kann Spaß machen, ist teilweise aber auch mit viel Arbeit verbunden. Ohne gewissenhafte Turnierleitung wird aber ein Turnier nicht funktionieren.
  • Folgesaison: Wenn ein Turnier mehrmals gespielt wird, ist es gut, Ranglisten zu berechnen, daraus verschiedene Lostöpfe zu bilden, damit im folgenden Jahr die Favoriten nicht schon in der Vorrunde aufeinander treffen. Das macht das Turnier gerechter.
  • Teilnehmerwerbung: Obwohl es bei uns in Kempten die Turniere schon Jahrzehntelang gibt, ist es eminent wichtig, ständig neue Teilnehmer zu werben. Bei einer Teilnehmerzahl von 40 bis 50 Leuten, gibt es immer wieder Personen, die sich abmelden. (Umzug, neuer Arbeitsplatz, Studenten sind fertig mit dem Studium usw.) Damit die Teilnehmerzahl stabil bleibt, müssen neue Teilnehmer her. Werbung muss gemacht werden. Das ist hauptsächlich Aufgabe der Turnierleitung, aber auch jeder andere Teilnehmer ist aufgerufen, Bekannten vom Spaß am Turnier zu erzählen. Wenn die örtliche Presse vom Turnier berichtet, dann finden sich manchmal dadurch neue Teilnehmer, besser funktioniert die Werbung aber über persönlichen Kontakt, über Spielekreise oder Spielwarenhändler.
  • Keine Lust: Der größte Fehler, der gemacht werden kann, ist es, Leute zur Teilnahme zu überreden. Wer nur mitmacht, weil er jemandem einen Gefallen tun will und eigentlich keine rechte Lust auf das Turnier hat, kann ganz schnell die Stimmung des gesamten Turnieres negativ beeinflussen. Darum: Lieber weniger Teilnehmer, aber Leute, die gerne spielen.

Ich hoffe, mit diesen Zeilen einige Leute erreicht zu haben, die sich die Arbeit der Organisation eines eigenen Turnieres machen wollen. Wenn Ihr noch Fragen dazu habt, dürft ihr Euch gerne bei mir melden. Viel Spaß beu Eurem Turnier!

Walter Müller